Neueste Beiträge

Erste Seite  |  «  |  1  ...  13  |  14  |  15  |  16  |  17  ...  20  |  »  |  Letzte Die Suche lieferte 194 Ergebnisse:


Zartbitter
Gelöschter Benutzer

Vorurteile gegenüber einer Kranken....

von Zartbitter am 13.03.2009 17:16

....oder Toleranz gegenüber Veränderungen.

Ich muss gestehen, dass ich mir nicht wirklich sicher bin, wie ich diesen Eintrag betiteln sollte.
Ich will Euch an dieser Stelle erzählen, erzählen von eigenen Erlebnissen mit anderen Menschen in einer Ausnahmesituation.

Kurz zu meiner Person – damals. Ich war 36 Jahre alt, hatte zwei Kinder im Teenie Alter, lebte mit ihnen alleine und hatte einen Beruf als Arzthelferin in Vollzeit.
Meine knapp bemessene Freizeit verbrachte ich mit Freunden, wir besuchten gern Konzerte, machten gemeinsame Ausflüge, gingen Essen oder machten ein geselliges Wochenende alle gemeinsam mit unseren Kindern zusammen.
Außerdem engagierte ich mich bei beiden Kindern sehr in der Elternarbeit in den jeweiligen Schulen, wie auch in den Sportvereinen und Musikgruppen.
Für mich ganz allein nahm ich an diversen Kursen wie Tanzen, autogenes Training und ähnlichem teil.
Ich war zu der Zeit eine Frau, die eigentlich nie wirklich zur Ruhe kam, ich brauchte auch immer Wirbel um mich herum.
Über meinen Beruf habe ich von Anfang an folgendes gesagt:
Das ist nicht nur mein Beruf, sondern viel mehr. Es ist meine Berufung!
Meine Arbeitszeit war eigentlich mehr als Vollzeit, denn die Überstunden waren enorm, genauso wie die Wochenenddienste und die gesamte Situation für mich als Erstkraft in dieser Praxis. Mein Ehrgeiz, alles bestens zu machen, war nicht mehr zu steigern. Ich hatte an einer Zusatzausbildung teilgenommen und konnte in der Praxis Kurse für Diabetiker abhalten, zusätzlich zur normalen Arbeitszeit versteht sich.
Wer mich um Hilfe bat, dem versuchte ich zu helfen und bei dem ich Probleme sah, dem bot ich mich an. Und das natürlich nicht nur in meinem beruflichen Umfeld.

Kurzum, ich war als eine selbstständige und selbstbewusste Frau bekannt, die gern zur Hilfe bereit stand und wenn es auch nur um einen Ratschlag ging.

Im Jahr 1996 bekam ich aus heiterem Himmel eine Hirnblutung, es folgten zwei Kopf-Operationen. Das es eine äusserst schwere Zeit war, brauche ich eigentlich nicht extra zu erwähnen, oder..?
Es dauerte Wochen, nein Monate bis ich halbwegs wieder so war wie zuvor.
Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, was ich hatte und was geschehen war.
Die Zeit der Rekonvaleszenz dauerte mehrere Monate, ich machte Fehler und war in der ersten Zeit geistig nicht gerade flexibel. Eher sehr behäbig und schwer im Begreifen.
Warum ich all dieses hier schreibe? Nun, ich habe folgendes bemerkt: die Menschen, egal ob mir nahestehend, im Beruf oder flüchtige Bekannte gingen mit mir anders um.
Sie behandelten mich, als sei ich plötzlich eine andere.
Meine Kinder verheimlichten mir Dinge, mein damaliger Freund fragte mich bei jeder Gelegenheit, ob mir das nicht zuviel wird und auch in der Praxis wurden mir Aufgaben aus der Hand genommen, ohne das ich gefragt wurde.
Bei anderen, die mich nur flüchtig kannten, waren die prüfenden Blicke zu spüren.
Ich fühlte mich zeitweise wie eine Aussätzige, ohne eigenen Willen und meine Meinung interessierte plötzlich auch niemanden mehr.
Warum werden kranke Menschen so anders behandelt?

Antworten

Kirsten

61, Weiblich

Beiträge: 54

Re: Über Sex ;)

von Kirsten am 13.03.2009 10:29

Hallöchen :)

Na, ist doch immer wieder interessant, wie eingefahren wir Menschen in unseren Denkstrukturen so sind, wie einseitig wir alles in "falsch" und "richtig", "schwarz" und "weiß" versuchen einzusortieren... Es gibt uns eben Sicherheit, das Gefühl, die Welt zu verstehen und damit zu beherrschen... Das ist zwar dumm, na ja, aber so sind wir eben gebaut...

Lieber Herrmann: Leider ist auch mir klar, dass wir - also Leute wie Du und Ich ;)- nicht mehr tun können, als vielleicht manchmal ganz punktuell diese wohlsortierten Überzeugungsstrukturen ein wenig anzustoßen. Mal kurz dran rütteln... mehr nicht. Aber immerhin das können wir. Ich kann das sogar recht oft, denn ich unterrichte zum Beispiel KrankenpflegeschülerInnen in Psychologie und schaffe es immer mal wieder, Themen auf MEINE Art zu unterrichten und diesen jungen Menschen die Köpfe ein wenig aufzufrischen. Wenn von den mehreren tausend Schülern, nur einer durch meinen Anstoß etwas bunter denkt, haben sich 13 Jahre als Unterrichtskraft doch schon gelohnt *g*

Wir müssen uns ganz winzig kleine Ziele stecken, sonst werden wir vom Frust gefressen. Und fressen lassen sich ja nur die Dummen ;)

Lieben Gruß

Kirsten

PS) Ich musste grad sooo lachen wegen deinem Nachtrag ;) Das ist ja schon ein bisschen niedlich...

Doch wenn ich vor der Dummheit die Augen verschlösse, wäre ich mit dafür verantwortlich, dass sie ins Kraut schießt.
Die wuchert nämlich schon beim Hingucken, aber was glaubt Ihr, wie die wuchert, wenn Ihr wegguckt
(Hermann Prignitzer)

Antworten

Esther
Gelöschter Benutzer

DIE DRITTE TÜR ZUM OSTEN - Ich bewege mich mit meinen Gedanken und Geschichten gerne an den Rändern der breiten Straßen. Mit dieser Ge

von Esther am 12.03.2009 21:03

Die dritte Tür zum Osten

Der Karst trägt Rot. Überwiegend brennendes Rot, unterbrochen nur von vereinzelten gelbgrünen Nuancen im versteckten Buschwerk am Boden, das der Sonne den direkten Zugriff verwehrt. Auf den Wegen, die hoch über den Steilklippen am Meer entlang führen, wandeln Menschen sonnentraumtrunken, lassen ihr Auge im Azur der Tiefe versinken. Vielleicht bringt ja die Natur ein letztes Mal in diesem Jahr eine solch sinnliche Hingabe an den Herbst hervor.

Henry nimmt den Fußweg von Monte Grisa über die durch Karstwald und Felsen geschlagene Via Napoletana nach Triest. Er will noch nach den Booten sehen in der Stadt der Winde. Triest hat aufgerüstet, der Hafen liegt voller Segelyachten am Tag vor dem großen Spektakel. Morgen heißt es „Barcolana“ im Golf von Triest. Alljährlich findet hier zur Zeit des Karstleuchtens die größte Segelregatta des Mittelmeeres statt. Seit ein paar Jahren ist der Besuch von Triest zur Zeit der Barcolana für Henry zum Ritual geworden. In seinem Gedächtnis verankert sind die Dreiecke. Er schaut hinunter aufs Meer. Das dunkel schattierte Blau des Wassers flirrt um die Wette mit dem helleren, weißlich durchflossenen Blau des Himmels. Henry bleibt stehen, schließt die Augen. Das Bild vergangener Regatten steht auf hinter seiner Stirn. Da sind sie wieder - die Formationen der weissen Segel, die im Blaugrün des Wassers einen für das Auge trügerischen Umkehrschluss bilden, da sie den Himmel zwischen den aus dem Wasser ragenden Segeln ebenfalls als Dreiecke erscheinen lassen. Da ist sie wieder – die Bucht vor Miramare, beladen mit flimmernden Triangolos, ineinandergeschnitten, ineinander verzahnt - Weiss in Blau, Blau in Weiss. So war es die Jahre vorher, so wird es auch morgen sein. Henry lächelt, öffnet die Augen, schaut auf den blauen Spiegel tief unten, aus dem die bizarren Felswände wachsen. Verführerisch, denkt er. Verführerisch, was das Unterbewusstsein ins Gedächtnis schreibt. Was es immer wieder hervorzaubert, wenn man bereit ist, es zu empfangen.

In Opicina steigt Henry in die alte Trambahn, die sich auf einem schmalen Geleise fast wie ein Vogel im Sturzflug nach unten fallen lässt – über zerklüftete macchiabewachsene Hänge bis hinein in die sich zum Meer hin weit öffnende Stadt Triest. Die weißen Zelte der Barcolana-Aussteller schmiegen sich wie eine zweireihige Perlenschnur um das Oval des Hafenbeckens. Henry lässt sich mit den vielen Schaulustigen am Rand entlang treiben, dreht einmal den Kopf zu den vielfältigen Präsentationen in den Zelten, dann wieder zum Meer, wo die Yachten abgetakelt eng nebeneinander liegen und auf ihr morgiges Segelglück warten. Männerträume … Henry denkt es fast sehnsüchtig. Die Stimmung ist rundum freudig, leicht aufgeheizt, voller Erwartung des Wettkampfes auf den Wellen. Henry freut sich, als er im Hafenbecken die Controluce liegen sieht, den einmastigen Sloop-Segler seiner beiden Unterkunftgeber Enzo und Luca. Welch schöner Name, denkt Henry. Controluce – Gegenlicht. Enzo hatte ihm schon beim Frühstück ans Herz gelegt, dieses Schiff, dem seine ganze maritime Leidenschaft gehört, im Hafen anzuschauen. Enzo und Luca bieten Zimmer mit Frühstück für Individualisten. Einen Hang zum Individualismus setzt allein schon die spektakuläre Lage ihres leuchtturmartigen Hauses voraus, an die Felsküste gelehnt wie ein Adlerhorst, von der Küstenstraße nicht einsehbar, dem Meer entgegengebäumt wie ein statisches Segel.

Henry fühlt sich angezogen von dunklen Augen voller Feuer. Sie gehören zu einer Frau der Güteklasse I, wie er für sich registriert. Er erwidert ihren Blick, legt Sehnsucht in sein Lächeln, lässt seine Augen zum Spalt zwischen ihren tief dekolletierten Brüsten wandern, schaut sich dort fest. Sie lächelt mit halb geöffnetem Mund, lässt ihre Zungenspitze zwischen den Zähnen hervorblitzen. Ein Mann tritt hinter sie, legt den Arm um ihre Schultern. Sie lächelt noch, als sie mit ihm entschwindet.
Henry träumt von weicher Haut, von Schenkeln, die sich um seine Lenden legen.
In der Trattoria von Nando labt er sich am köstlichen Meeresgetier, trinkt dazu den strohgelben Weisswein des Hauses, fügt sich ein in die warmen wohltuenden Gerüche als ein Teil der hier zelebrierten Lebensfreude. Aus dem Gespräch am Nebentisch vernimmt er die Sorge um eine mögliche morgige Flaute, die Hoffnung auf Wind.

Er fährt mit dem Bus zurück in die Nähe seines Domizils. Dunkelheit hat sich über die Küstenstraße und übers Meer gebreitet. Das magische Leuchten des Karstes fand Unterschlupf unter nächtlichen Schatten. Der schmale Weg zum mehrstöckigen Haus im Steilhang ist spärlich erhellt, Macchiazweige streifen an Henrys Körper. Das Entrée liegt im Halbdunkel. Eine Lampe in der Form eines Fisches weist Henry den Weg zu seinem Zimmer. Als er sich endlich in die nach frisch gemähtem Gras duftenden Laken schmiegt, tanzen hinter seinen geschlossenen Augen wellentrunkene Triangolos in Weiss und Blau, schaukeln mit Brüsten und Schenkeln aus Alabaster um die Wette.

Das Schaukeln formiert sich Stunden später zu einem sanften, aber unnachgiebigen Läuten. Sanft genug, um Henry nicht rigoros aus dem Schlaf zu reißen, fordernd genug, um ihn nicht mehr entgleiten zu lassen ins Refugium der Träume. Schiffsglocke – legt sich als Erkennen der Geräuschquelle in sein Gehirn. Schiffsglocke? Henry öffnet die Augen. Dunkelheit umgibt ihn, erst allmählich nimmt er in dem diffusen Nachthimmellicht, das durch die unverhüllten Scheiben dringt, die gegenständlichen Konturen des Zimmers wahr. Er hebt den Kopf an, folgt damit dem Läuten, das rhythmisch hochschwingt und dann wieder fast verstummt – Laute, wie vom Wind übers Meer getragen. Na klar – Henry lächelt, als er am Rahmen der Zimmertür das Windspiel wahrnimmt, das ihn schon beim ersten Eintreten faszinierte. Die Töne werden tatsächlich von einer alten Schiffsglocke erzeugt, die an einem dicken Tau hängt und den Mittelpunkt zwischen weiteren schwingenden Tauen bildet. Doch woher kommt der Wind im geschlossenen Raum? Henrys Sinne erwachen, versuchen, die Realität zu erfassen. Er hält den Atem an, als sich in sein Sehen einfügt, dass die Tür zum Vorraum, die genau gegenüber seinem Bett liegt, weit offen steht.

Langsam richtet er seinen Oberkörper auf, zieht das Kissen hinter seinen Kopf, lehnt sich hinein. Einige Meter nach dem Türrahmen seines Zimmers tut sich ein weiterer Durchlass in der gegenüberliegenden Wand des Entrèe-Raumes auf. Henry erinnert sich, dass die dahinter liegenden Gemächer von Enzo und Luca tagsüber durch eine Schiebetür aus dickem, grünlichem Glas abgeschirmt waren. Diese Tür steht nun offen wie seine Zimmertür, leitet seinen Blick weiter nach vorne, erschließt ihm nach dem Wohnraum der Gastgeber eine dritte geöffnete Tür, die in einen der Meerseite zugewandten, fast rundum verglasten Raum führt. Die frühen Sequenzen des Ostlichts, des Lichts der aufgehenden Sonne, schicken mutige Silberblitze zur Fensterfront. Dort bricht sich das Blitzen, wandelt sich um in erhellendes Strahlen, legt sich als warme graugoldene Tageslichtspur in das Innere des Raumes.

Henry registriert die Architektur des Hauses. Er registriert Türen, die in einer vollkommen parallelen Ausrichtung einen Raum mit dem anderen verbinden. Er registriert, dass er sich selber im hintersten, im an den Felsen gelehnten, im macchiaumwuchertsten und daher im dunkelsten Raum dieser Etage befindet.
Er registriert, dass der direkt vor dem Meer gelegene Raum, der Raum nach der dritten Tür, am meisten Licht bekommt. Er registriert, dass sich dort zwei Menschen lieben. Auf einem Bett, das sich genau in die Parallele der Türen einfügt. Vor einem Spiegel, der aus der Rückenlehne des Bettes als Schräge in die Höhe wächst, am Plafond weiterläuft und dort die Länge des Bettes dualisiert. Eingemeißelt in eine rundum laufende Glasfront. Mitten im Meer, das mit dem Erwachen des Tages durch das Glas schimmert, seine noch verdunkelten Farben bricht und singt und rauscht und Schiffsglocken läutet.

Das Geschehen im Osten des Hauses akzentuiert sich vor und hinter Henrys Augen.
Sein Blick springt zwischen den Männern am Bett und ihrem durch die Schräglage des Spiegels etwas nach oben versetztem, vergrößert zurückgeworfenem Abbild hin und her. Er kann die Konturen ihrer Körper fühlen, die Erregung in ihren Gesichtern, die Lust an der Darbietung ihrer Körperlichkeit. Der seitlich und an der Decke mit mehreren Spots bestückte Spiegel, dessen Glas offenbar einen vergrößernden Effekt hervorruft, liefert Henry eine plastische Detailansicht. Enzo zeigt sich mit aufgerichtetem Oberkörper, die knieenden Beine leicht gegrätscht, den Phallus groß und mächtig in die Höhe strebend. Luca lässt sich nun seitlich auf das Bett sinken, hascht Enzos Penis mit seinem weit geöffneten Mund, umschließt ihn, nimmt in ganz auf, gleitet an ihm langsam vor und zurück, wühlt sein Gesicht zwischendurch selig in Enzos Schamhaar. Dann knieen sie sich gegenüber auf dem seidig schimmernden Laken. Das nahende Morgenlicht spielt nun auf ihren einander zugewandten Gesichtern, legt vor Henrys Augen die übergroße Zärtlichkeit und Innigkeit zweier sich Liebender offen. Sie umfassen sich mit den Armen, Luca lässt seinen Kopf an Enzos Schulter gleiten, schließt die Augen. Ihre Lippen streben zueinander, öffnen sich, machen Platz für das Tasten der Zungen, für das Schmecken der Willigkeit, für das Ineinander-Verweilen. Enzos Zunge fährt über Lucas Gesicht, sorgfältig die Ausbuchtungen der Mundwinkel erspürend, die Kerben der Wangen streichelnd, die Augen umrundend. Luca bäumt sich auf, haucht Küsse auf Enzos Hals, beißt sich zart in seiner Brust fest.
Seine rechte Hand liegt fest in Enzos linker Gesäßbacke verankert, mit zwei Fingern streichelt er Enzos Anus, öffnet den Eingang, tastet sich weiter nach innen.
Der Wind trägt aus Erregung geborene Laute, die Schreie von Möwen gleichen, an Henrys Gehör.

Sein Atem geht flach. Regungslos, wie in körperlicher Lähmung, verharrt er in seiner halb sitzenden Position. Sein Geschlecht hat sich verselbständigt, ragt als solitäre Körperlichkeit aus seinem Leib empor, stößt an die dünne Bettdecke.

Enzo fasst Luca nun an den Schultern, dreht ihn sanft, aber bestimmt um seine eigene Achse. Luca lässt sich fallen, stützt die Arme auf das Bett, rollt sich zusammen wie ein Blatt. Enzo kniet hinter ihm, fasst nun mit beiden Händen Lucas Gesäß, hebt es hoch. Die Position der beiden ist zu einer dreiviertel-Umdrehung dem Spiegel zugewandt. Die Ausrichtung der Spots lässt die Körper der Männer fast in hellem Licht erstrahlen, ihr Bild wird vom Spiegel überdimensioniert zurückgeworfen. Henry kann nun Lucas leicht geöffnete dunkle Rosette zwischen den nach oben gewölbten Pobacken erkennen. Enzo lässt einen Finger in die willig dargebotenene Öffnung gleiten, bewegt ihn darin begehrend, fordernd.
Das Windspiel an Henrys Tür scheint Lucas Stöhnen zu begleiten. Henry schiebt die Decke von seinem Körper, umschließt seinen Penis mit der rechten Hand, erkundet mit dem linken Mittelfinger seinen Anus.
Als ihm der Spiegel Enzos geschlechtliches Eindringen in Luca zeigt, als Lucas Schrei mit der Schiffsglocke hochschwingt, beginnt Henry sich zu lieben - hart und unnachgiebig, in überbordender Erregung.
Henrys Ejakulation wird von einem ihm bisher verwehrten, die Lust auf ihren Zenit treibenden Schmerz gepeitscht. Sein Erlösungsschrei klingt durch die Räume nach vorne, durchdringt das Glas des Spiegels und der Scheiben, bohrt sich mitten hinein in die aufgehende östliche Sonne.

Nach Minuten der Ermattung öffnet er seine Augen, erkennt ganz draußen vor dem Meer im Morgenlicht zwei einander zugewandte, ineinander verschlungene Körper. Sein Blick wandert höher, nimmt in der Verdeutlichung des Spiegelglases die Seligkeit auf den Gesichtern wahr. Hingebungsvolle Liebe, auf die Gesichter gezeichnet, mitgenommen in den Schlaf.
Henrys Lider gleiten wieder nach unten. Er lächelt mit halb geöffnetem Mund, wird im Hinübersinken Teil dieser Seligkeit.

Er erwacht, als der Duft von aromatischem Kaffee seine Nase kitzelt. Nach ein paar Sekunden des Sich-Findens fährt er hoch, starrt zur Tür. Sie ist geschlossen. Das Windspiel regt sich nicht. Henry bleibt einige Minuten so im Bett sitzen, die Bilder der Nacht und des Morgens kommen auf ihn zu. Er schließt die Augen. Die Bilder bleiben. Dann springt er aus dem Bett, duscht, packt seinen Rucksack.
Als er aus dem Zimmer tritt, kommt ihm Luca entgegen. Lucas helle strahlende Augen blinken fast etwas spitzbübisch, als er ihm kundtut, dass das Frühstück auf der Terrasse warte an diesem schönen Tag.

Das Meer liegt wie ein ruhiger Spiegel vor Henrys Augen. Ein Spiegel, der alles aufnimmt und einfügt in seine Unendlichkeit. Ein Spiegel, der dich irgendwann ganz unvermittelt wieder überfällt, um dir übermächtig von Neuem das in ihm gespeicherte Geschehen vorzuführen, denkt Henry.

Später im Entrée begleicht er bei Enzo die Rechnung. Enzo sitzt vor einem alten geschnitzten Schreibtisch, seine feingliedrigen Finger huschen über das Papier, streifen für einen Herzschlag lang Henrys Hand, als er ihm die Quittung zusteckt. Enzo blickt kurz auf. In seinen Augen liegt ein Lächeln.

Beide Männer bleiben unter der Haustür stehen, blicken Henry nach.
Bevor Henry am verschlungenen Weg entschwindet, dreht er sich um. Sie finden sich ein letztes Mal in ihren Blicken, noch einmal geschieht Verstehen, öffnet verbindendes Fühlen alle Türen. Henry überkommt ein Gefühl von Zärtlichkeit.

Er fährt nach Miramare, wandert ein Stück nach oben, von wo er die Bucht gut überblicken kann. Das Säuseln in den Blättern der Büsche schwingt sich hin und wieder zu einem leichten Rauschen auf. Wind! Henry lacht glücklich hinunter zu den weißen Segeln, kneift die Augen zu, reißt sie wieder auf. Er fühlt sich als Triangolo, in Himmel und Meer geschnitten, wissend und ohne zu zagen in die Unendlichkeit gleitend. Der Wind fährt durch die Segel, lässt sie übers Meer fliegen.

Henry verlässt Miramare noch vor dem Ende der Regatta. An der Küstenstrasse steigt er in den Bus nach Duino. Vom imposanten Schloss auf dem mächtigen Felsen wandert er den Rilke-Weg entlang nach Sistiana. Er geht langsam, weicht oft vom Weg ab, steigt über das graue Karstgestein einige Meter hinaus zu den steilen Klippen, klettert bis zum äußersten Rand der Felsnadeln, verinnerlicht die atemberaubenden Ausblicke. Dann schließt er die Augen und lässt die Bilder kommen. Die Bilder der Dreiecke und die Bilder einer sich dem Morgen öffnenden Nacht. Er fühlt sich befreit und ohne Angst.
Noch einmal atmet Henry den Karst in seinem glühenden Herbsttaumel, bevor er in Sistiana den Zug betritt, der ihn nach Hause bringt.

Linda empfängt ihn lächelnd wie immer. Es war einfach schön, sagt Henry, wandert mit seiner Hand ihren Rücken entlang. Er nimmt sie noch vor dem Essen. Ungeduldig, verlangend, hart. Immer wieder dreht er sie herum, bringt sie in die Position, die er gerade von ihr haben will. Er hechelt, lechzt, gewahrt Lindas verunsicherten Blick.
Ich liebe dich, sagt Henry.

Später findet Henry auf dem Computer eine mail seines Freundes Raoul, der ihn die letzten Jahre zur Barcolana begleitet hatte. Raoul musste dieses Mal arbeiten, nun ist er neugierig, bittet Henry um Berichterstattung. Als er diese erhält, wundert er sich über Henrys sybillinisch anmutende Worte:
Was soll ich dir Neues erzählen? Kennst es ja – Männerträume in Weiß und Blau.
Man muss nur geschehen lassen, was passiert. Man muss bereit sein, es aufzunehmen. Und dann muss man ganz einfach warten. Verstehen kann man nur, wenn man ganz still ist. Doch Eines kann ich dir sagen: Was sich einmal in dein Gedächtnis verzahnt hat, lässt dich nie mehr los.


Esther Hebein
Februar 2009

Antworten

Prignitzer43
Administrator

83, Männlich

Beiträge: 35

Re: Über Sex ;)

von Prignitzer43 am 11.03.2009 04:50

Liebe Kirsten,

etwas zu dieser Geschichte, die Du uns da zum Nachdenken offeriert hast. - Was soll ich sagen: Eine schöne Utopie. Aber leider tatsächlich eine Utopie, denn letztlich sind wir vom Bunten, Vielschichtigen, geschlechtlich alles möglich, nichts unmöglich, noch vielmals arg betrüblich weit entfernt. Letztlich wird noch weit öfter, als selbst ich es sehen möchte, und ich bin diesbezüglich weiß Gott nicht optimistisch, zum Gänsehautkriegen eingleisig gedacht. Zum Wutkriegen auch!

Du und Arne haben in dem kurzen tv-Beitrag über Euch auch kurz und knapp über Eure Sexualität gesprochen. Über die 100 Möglichkeiten (Praktiken), ein beglückendes Sexualleben zu haben. - Alles gut und schön, aber ob's die Leute durch vor allem Deine Ausführungen, Kirsten, "geschnallt" haben, dass das landläufig verbreitete eingleisiges Denken über Sexualität überdenkenswert ist, wage ich zu bezweifeln.

Ein Beispiel: Gerade wieder (gestern!) wurde in einer Mail an meine Frau von jemandem vermutet, meine Frau müsste es, weil mit einem Schwulen verheiratet, sexuell in ihrem Eheleben "nicht leicht" gehabt haben. - Mitleid klang mit.

Wo steht geschrieben, dass mensch dies vermuten müsste?! Wo steht geschrieben, dass ein Schwuler nicht auch Freude dran haben kann, mit einer Frau Sexualität zu haben? Warum denn nicht?! Und wenn's nur mit einer einzigen wäre, und wenn's nur mit der Frau wäre, mit der er sich einst entschlossen hat, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Unmöglich? Die Frau, ist zu vermuten, muss sexuell leiden? Seit fast 31 Jahren, von ihrem 19. Lebensjahr ab? Und die Frau ist auch noch so bekloppt, dies seit ihrem 19. Lebensjahr hinzunehmen, um unbedingt mit mir verheiratet zu sein? Da hat sie sich so quasi mit 18 von mir ans Kreuz ehelicher sexueller Enthaltsamkeit schlagen lassen?

Die Person, die da vermutete, meine Frau hätte es mit mir sexuell nicht leicht, hat nicht etwa mal angefragt: "Wisst ihr, ich weiß von so was nicht viel oder eigentlich überhaupt nichts. So'n Schwuler... also, da denk ich immer, der will es nur immer mit'm Mann. Und nun hör ich, ihr seid aber schon über 30 Jahre verheiratet... sagt mal, könnt ihr mir da vielleicht mal aufhelfen, macht ihr mich da schlau, damit ich nicht immer weiter denke wie Hinz und Kunz..."

NEE! WARUM DAS? Das Weltbild steht doch fest, da muss man nicht nachfragen, wenn man von irgendwas noch nix gehört hat, da kann man sofort von sich geben: Ach Gott, die Frau hat's ja in ihrer Ehe auch nicht grad leicht. So'ne prächtige Frau, und dann so ein Leben. Mit'm Schwulen... na Donnerwetter, die Frau muss ja Kraft haben, dass sie das immer duchgehalten hat!

So geschehen, nicht etwa von mir Schriftsteller dahinfabuliert, nein, geschehen am 9./10. März 2009.

Und damit zurück zu dem tv-Beitrag, in dem Arne sinngemäß gesagt hat, wenn Menschen um ihn herum eingleisig denken, und sich so auch verhalten, indem sie ihn z.B. so angaffen, dann machte ihn das traurig. - Ja, Arne, ich glaub' es Dir, nicht nur, aber auch, weil es mich traurig macht, wenn Menschen über meine Wenigkeit eingleisig denken. - Und jemand, der meint, er wüsste, dass er mit meiner Frau Mitleid haben müsste, weil sie einen Schwulen geheiratet hat; da brauchte man gar nicht erst behutsam meine Frau und mich zu fragen, wie das wohl ginge, weil: na ja, das ist ja klar, dass das für die Frau nur schwer auszuhalten sein kann... dem muss ich ein geradezu schaudern machendes eingleisiges Weltbild bescheinigen.

Trotzdem: Dankeschön für die Utopie, liebe Kirsten. ;-)

Nachtrag (1 Tag später): Besagte Person, die so besorgt war um das sexuelle Wohlergehen meiner Frau, hat sich nicht mit der Auskunft meiner Frau zufrieden gegeben, dass jede Sorge absolut grundlos sei. Besagte Person hat es trotzdem für nötig gehalten, aus ihrer nächsten Umgebung ein paarungswilliges Männchen auf die Fährte meiner Frau zu schicken. Dieses Männchen hat heute via Internet bei meiner Frau angeklopft. - So bösartige Folgen kann eingleisiges Denken haben.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 11.03.2009 19:56.

Kirsten

61, Weiblich

Beiträge: 54

Re: Ich habe keine Ahnung....

von Kirsten am 09.03.2009 00:00

Hallöchen :)

Macht Euch mal um meine Nachbarin keine Gedanken... seit Arne hier wohnt, hat er sie um den kleinen Finger gewickelt. Sie ließ sich die Einkaufstaschen tragen und sowas alles ;)
Und leider ist sie jetzt in einem Pflegeheim und wird vermutlich nicht zurückkehren...

Aber noch was zur Toleranz: Ich glaube ja, dass es kein "falsch" und "richtig" gibt. Ich meine, das wir diese Unterscheidung vornehmen, ist ausschließlich Ergebnis unserer Sozialisiation. Demnach wäre Toleranz also, zuzulassen, dass Menschen unterschiedlich sozialisiert werden und somit unterschiedliche Werte und Normen leben...
Will ich aber nicht. Vermutlich kann ich mich einfach nicht gegen meine Sozialisation entscheiden, auch wenn ich sie intelektuell durchschaue. Ich toleriere nicht die Beschneidung von Mädchen und Frauen. Ich toleriere allerdings auch nicht, wenn hier eine Mutter ihrem Kleinkind Ohrlöcher stechen lässt. Gleiche Schublade, unterschiedliche Tiefe.
So, und jetzt wollte ich noch ne lange Liste schreiben, was ich alles nicht toleriere, aber viel fällt mir gar nicht mehr ein. Gewalt finde ich zwar doof, aber manchmal notwendig. Vergewaltigung toleriere ich nicht. Folter toleriere ich nicht. (Aber was, wenn der Entführer meines Kindes freiwillig nicht verrät, wo er sie versteckt hat und sie sonst verdurstet? Ich würde wohl foltern...)
Neee, das ist ein verdammt kompliziertes Thema.... *kopfkratz*

Lieben Gruß

Kirsten




Doch wenn ich vor der Dummheit die Augen verschlösse, wäre ich mit dafür verantwortlich, dass sie ins Kraut schießt.
Die wuchert nämlich schon beim Hingucken, aber was glaubt Ihr, wie die wuchert, wenn Ihr wegguckt
(Hermann Prignitzer)

Antworten

Kirsten

61, Weiblich

Beiträge: 54

Re: Alles hat seine Zeit, aber ich hätt' gern alles alle Zeit

von Kirsten am 08.03.2009 23:23

Hallöchen :)

Dein Theaterbild gefällt mir. Ich finde, das Leben ist oft ein Rollenspiel. Ich kann viele Rollen und fast alle machen mir Spaß, solange sie nur vorübergehend sind. Ich kann seriöse Geschäftsfrau, Akademikerin, Cooler Macho-Typ, Motorradbraut, Vorort-Schlampe, Hundeführer, Mutter, Naturbursche, Ehefrau, feine Dame, dominante Lady, devotes Blondchen... und viele andere.
Natürlich passen mir nicht immer alle Rollen. Feine Dame mit Pickeln und Übergewicht ist echt schwer zum Beispiel. Oder cooler Macho-Typ mit langen Locken und Körbchengröße C passt auch nicht. Aber im großen und ganzen kann ich immer ne ziemliche Auswahl. Logisch wird -umso älter ich werde- auch die Auswahl meiner möglichen Rollen anders. Aber eben anders, nicht unbedingt schlechter. Zumindest für mich. Beruflich ernst genommen werden ist jetzt viel leichter als vor 20 Jahren.
Zu einem gewissen Anteil kann ich also mitbestimmen, wie die Welt mich sieht. Allerdings sind die Möglichkeiten endlich und verändern sich mit dem Alter... aber auch mit dem Gewicht, der Körbchengröße, dem Hautbild, der Frisur....

Also... sooo besonders finde ich das älter werden jetzt nicht... :)

Lieben Gruß

Kirsten

Doch wenn ich vor der Dummheit die Augen verschlösse, wäre ich mit dafür verantwortlich, dass sie ins Kraut schießt.
Die wuchert nämlich schon beim Hingucken, aber was glaubt Ihr, wie die wuchert, wenn Ihr wegguckt
(Hermann Prignitzer)

Antworten

Herbstfrau
Gelöschter Benutzer

Re: Ich habs getan

von Herbstfrau am 08.03.2009 13:30

Liebe Bettina, deine Zwiesprache mit dir selbst gefällt mir. Du hast es auf den Punkt gebracht: Auf die innere Stimme möchte man (manchmal ) nicht hören. Die ist so unbequem, die will etwas von uns. Die will, dass wir in uns gehen, unsere geheimen Wünsche herauslassen, uns ändern! Ändern?

Aber: Es lohnt sich allemal

Ein ganz lieber Gruß an dich!

Regina

Antworten Zuletzt bearbeitet am 08.03.2009 13:31.

Prignitzer43
Administrator

83, Männlich

Beiträge: 35

Re: Offener Brief an eine, die meint, über ihren Bruder "spricht man nicht"

von Prignitzer43 am 08.03.2009 03:31

"Eigentlich" müsste ich zu dem Problem "Arne und seine Schwester" ja vielleicht gar nix mehr anmerken, Arne kennt meine Meinung dazu; ich hab' sie bereits vor einiger Zeit in einem Brief (per Mail) an ihn kundgetan. Aber ich denke, es ist wohl doch ein grundsätzliches Problem, das über das spezielle, das Arne damit hat, weit hinausgeht. Es ist das Problem "Ursprungsfamilie" an sich. Es ist die Frage: Was hat die Familie, aus der ich stamme, für mich für einen Wert, dass ich auf sie wert lege? Warum kommt es uns, wenn es da an zwischenmenschlicher Wärme fehlt oder gar an Akzeptanz, wie in Arnes Falle, schier wie eine Tragödie vor? Aus welchem Grunde ist es einem erwachsenen Menschen wichtiger, was Mutter, Vater, Brüder, Schwestern, Neffen und Nichten etc. von ihm denken, als das, was Nachbar X oder Nachbarin Y von ihm halten? Und im Problemfall: Warum kann ein erwachsenener Mensch mit halbwegs kräftig ausgebildetem Selbstwertgefühl zu jemandem, mit dem er nicht verwandt ist, relativ leicht sagen: "Wenn du mich nicht stehen lässt, wie ich bin und sein möchte/muss, obwohl ich dir damit nicht schade, dann leck mich am Arsch!"... und warum ist es für selbigen Mensch, der einem Nicht-Verwandten mehr oder weniger leicht die kalte Schulter zeigen kann, nahezu ein Unglück oder überhaupt ein Unglück, wenn ihn Familienangehörige nicht akzeptieren? Die Mutter nicht, der Vater nicht, die Geschwister nicht? Vielleicht selbst die eigenen erwachsenen Kinder nicht; auch so was soll es ja geben. Aber bleiben wir mal bei der Ursprungsfamilie. Was hat die, wenn ich auf eigenen Füßen stehe, also von ihr nicht mehr abhängig bin, denn noch für eine Bedeutung, wenn ich ihr nix bedeute? Warum muss ich da um gut Wetter bitten, um ihr Wohlwollen buhlen, um mein Angenommenwerden ringen, um ihr Verständnis nachsuchen?

Meine Meinung: Verwandte haben allein dadurch, dass ich in ihre Familie hineingeboren wurde, für mich keinen Wert, seitdem ich erwachsenen bin und also von ihnen unabhängig, es sei denn, sie erweisen sich für mich als von Wert. Nämlich von folgendem: Sie erweisen mir die Menschlichkeit, mich anzuerkennen als einen Menschen, der selbstbestimmt durchs Leben geht, und nichts darauf hindeutet, dass ich dadurch jemandem schade. Und die Verwandten, denen diese Menschlichkeit abgeht, die sind nicht mit mir verwandt, denn sie machen mein Leben in keiner Weise reicher, also wäre ich schier hirnrissig, scherte ich mich um sie. Alles andere ist letztlich Sentimentalität. Wenn mensch erwachsenen ist, sollte mensch einzig auf Wahlverwandtschaft aus sein. Dazu können auch Mutter und Vater zählen, Brüder und Schwestern, na sicher, jeder Mensch mir recht, wenn er mir menschlich begegnet, aber wählt er mich statddessen ab, gut, dann wird er unter " mir nicht mehr nötig" abgelegt.

Übrigens ist mir, tat ich irgendwo diese meine Meinung kund, schon oft widersprochen worden, nur leider ohne jegliches Argument. Niemand hat mir bisher erklären können, warum ihm oder ihr Mutter oder Vater oder Bruder oder Schwester ein Wert an sich sind. Unabhängig davon, ob sich die Mutter mütterlich, der Vater väterlich, der Bruder brüderlich, die Schwester schwesterlich zu ihm oder ihr verhalten. - Wer hat uns denn so was eingetrichtert, dass wir an wem leiden, der sich nicht als würdig erweist, uns ein Verwandter zu sein? Gehen wir lieber in die Welt und schauen uns um, wer tatsächlich mit uns verwandt ist. Müssen keine Massen sein. Wer ist schon so weitherzig, ganze Massen ins Herz schließen zu können? Ich jedenfalls nicht.

Antworten

Prignitzer43
Administrator

83, Männlich

Beiträge: 35

Re: Mein Sein - so wie ich bin

von Prignitzer43 am 07.03.2009 19:39

Mitten in Europa

Auch ein Fall von Homo-Phobie und Hass auf Schwule: Volkes Stimme. Mitten in Europa. - Zwei Meldungen des schwulen Internet-Magazins queer.de.

queer.de 26.02.2009
„Homo-Panik“: Geschworene sprachen Mörder frei

In nordwestspanischen Vigo ist ein 30-Jähriger überraschend freigesprochen worden, der zwei Schwule mit insgesamt 57 Messerstichen getötet hat.

Sieben der neun Geschworenen glaubten dem Angeklagten, der von Agenturen nur mit seinem Vornamen Jacobo identifiziert wurde, aus Notwehr gehandelt zu haben. Demnach habe der Mann Angst gehabt, von den beiden Schwulen vergewaltigt zu werden.

Die Tat ereignete sich im Juni 2006, als Jacobo in einer Bar den 27-jährigen Kellner Isaac kennen lernte, mit dem er gemeinsam Alkohol und Kokain konsumierte. Isaac lud Jacobo daraufhin in seine Wohnung ein, in der auch sein 32-jähriger brasilianischer Lebensgefährte Julio lebte. Nach Angaben von Jacobo sollen dann die beiden Gastgeber versucht haben, ihn ins Schlafzimmer zu locken – und ihn sogar mit einem Messer bedroht haben. Er sagte aus, er habe panisch reagiert, Julio das Messer entrissen und dann auf die beiden eingestochen. Der Gerichtsmediziner zählte später an Julios Leiche 35 Einstiche, auf Isaac stach Jacobo 22 Mal ein.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Geschworenen hätten den Täter aus Schwulen- und Ausländerhass freigesprochen: "Es hätte mit Sicherheit einen Schuldspruch gegeben, wenn die Opfer zwei Mädchen gewesen wären und nicht zwei Homosexuelle, von denen einer dunkler Hautfarbe war", erklärte Oberstaatsanwalt Juan Carlos Horro. Man müsse darüber nachdenken, ob das angelsächsische Geschworenensystem gerecht sei. Berufsrichter hätten den Täter schuldig gesprochen, ist er sich sicher.

Erst Anfang des Monats hatte ein Geschworenengericht auf den Bahamas in einem ähnlichen Fall den Angeklagten freigesprochen. Die "Homo-Panik-Verteidigungsstrategie" wurde in spektakulären Prozessen insbesondere in den USA angewandt und führte in mehreren Fällen zu einem reduzierten Strafmaß. Schwul-lesbische Gruppen kritisieren diese Taktik, weil sie das Opfer zum Täter mache. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen die Bevölkerung – und damit auch die Geschworenen – eine Abneigung gegen Homosexuelle haben, ist die "Gay Panic Defense" erfolgreich.

queer.de 06.03.2009
Freigesprochener Homo-Mörder: 20 Jahre Haft wegen Brandstiftung

Ein Mann, der zwei Schwule mit 57 Messerstichen erstochen hat, aber wegen "Homo-Panik"-Verteidigung vom Vorwurf des Mordes freigesprochen wurde, erhält nun wegen Brandstiftung 20 Jahre Haft. Er hatte das Haus seiner Opfer angezündet.

Der 30-jährige Jacobo Piñeiro hatte ein schwules Paar in dessen Haus erstochen. Beim Gerichtsverfahren sagte er aus, in Notwehr gehandelt zu haben. Die Geschworenen hielten ihn daraufhin für unschuldig. Dieses Urteil führte in Spanien zu wütenden Protesten und Mahnwachen.

Auf freien Fuß wird Piñeiro nicht kommen: Ein Richter hat ihn nun wegen Brandstiftung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Piñeiro habe mit dem Brand auch das Leben anderer gefährdet, so das Gericht. Eine Verurteilung als Mörder hätte ein Urteil zwischen 35 und 40 Jahren eingebracht. (dk)

Antworten Zuletzt bearbeitet am 07.03.2009 19:43.

Prignitzer43
Administrator

83, Männlich

Beiträge: 35

Re: Frauen aus den neuen EU-Beitrittsländern in der Prostitution in NRW

von Prignitzer43 am 05.03.2009 03:45

Ich las diesen Beitrag jetzt zum dritten Mal und... tja, und was nun? Nun ja, wir erfahren mal wieder an einem konkreten Beispiel, dass "Leben unterhalb der Armutsgrenze" nicht gleich "Leben unterhalb der Armutsgrenze" bedeutet. Womit ich das Leben eines Bundesbürgers unterhalb der Armutsgrenze jetzt nicht bagatellisieren möchte, aber nützlich ist es schon, durch diesen Blick übern Gartenzaun, den uns Kirsten hier gestattet, mal wieder zu erfahren, dass die bundesrepublikanische Armutsgrenze schon nicht einmal der Nabel der europäischen Armutswelt ist, von außereuropäischer Armut ganz zu schweigen. Bulgarien liegt von Deutschland nicht einmal so weit entfernt wie die Türkei. - Bulgarien. Ein Land, dem 1989/90 das pseudosozialistische System ebenso weggebrochen ist wie den Deutschen auf dem Terrain der ehemaligen DDR. Nur damit erschöpft sich auch schon die Gemeinsamkeit der Bürger und der Bürgerinnen der ehemaligen Bulgarischen Volksrepublik und der Bürger und Bürgerinnen der ehemaligen DDR. Während die DDR-Deutschen sich mit den Deutschen der Bundesrepublik zusammentun konnten, also die Ostdeutschen mit den Westdeutschen, hatten die Bulgaren (und nicht nur die Bulgaren!) nichts Vergleichbares, was ihnen aufhelfen konnte. Die saßen auf ihrem Trümmerhaufen "Volksrepublik", und niemand außerhalb ihrer Staatsgrenzen kümmerte sich darum. Im Gegenteil. Ich höre noch im Umfeld des Tages, an dem Staaten des ehemaligen Ostblocks EU-Länder wurden, wie in den sogenannten Neuen Bundesländern das große Bibbern laut wurde, weil die Furcht umging, nun würde Geld aus Brüssel womöglich statt nach beispielweise Dresden nach beispielsweise Plovdiv fließen. Und nirgends war zu hören, dass die Einwohner von beispielsweise Dresden verglichen mit den Einwohner von beispielweise Plovdiv mehrheitlich und übermehrheitlich in Saus und Braus leben. Aber EU-solidarisch wäre es gewesen, wenn die Mittel für den sogenannten "Aufbau Ost" fortan stillschweigend nach Bulgarien (und Polen und die Slowakei etc.) gegangen wären. - Na ja, einen Nachteil hätte das unter Umständen irgendwann: In Dortmund und anderswo in Deutschland würden für den Deutschen Michel die gewiss billiger als deutsche Nutten zu habenden osteuropäischen Nutten, die es zudem auch leicht mal ohne Präser machen und so, weniger hübsch zahlreich zur Verfügung stehen. Die Osteuropäerinnen könnten ja irgendwann vielleicht, wenn sie an der Prostition Gefallen haben, auch in ihrem Heimatland damit ihr Auskommen haben. Zum Beispiel die Plovdiver Prostituierten durch Plovidiver Freier statt durch Dortmunder Freier. Ist doch vermutlich nur 'ne Frage des allgemeinen Lebensstandards, wo es sich einträglich auf der Straße steht, wenn Frau in diesem Beruf ihr Geld verdienen möchte...

Antworten Zuletzt bearbeitet am 08.03.2009 11:14.
Erste Seite  |  «  |  1  ...  13  |  14  |  15  |  16  |  17  ...  20  |  »  |  Letzte

« zurück zur vorherigen Seite